Technik
Schaltbares Glas im Hotel: PDLC, elektrochrom, SPD - und was davon im Zimmer ankommt
Das Bad wird auf Knopfdruck blickdicht, die Fassade dimmt sich selbst. Dahinter stecken drei verschiedene Technologien, die nichts miteinander zu tun haben - und die man im Zimmer deutlich unterscheiden kann.
Wenn ein Haus mit Smart Glass wirbt, kann sehr Unterschiedliches gemeint sein. Die drei gebräuchlichen Technologien lösen verschiedene Probleme, und man merkt im Zimmer schnell, welche verbaut ist.
PDLC: Sichtschutz auf Knopfdruck
PDLC steht für Polymer Dispersed Liquid Crystal, also im Kunststoff verteilte Flüssigkristalle. Ohne Spannung stehen die Kristalle ungeordnet, die Scheibe streut das Licht und wirkt milchig. Unter Spannung richten sie sich aus, die Scheibe wird transparent.
Das ist die Technologie, die man in Hotelbädern findet: Glaswand zwischen Bad und Zimmer, tagsüber offen und großzügig, abends auf Knopfdruck privat. Sie schaltet zwischen klar und milchig, nicht zwischen hell und dunkel - als Sonnenschutz taugt sie nicht.
Zwei Eigenheiten, die im Zimmer auffallen: ein leichter Restschleier auch im klaren Zustand, und der stromlose Zustand ist der blickdichte. Bei Stromausfall wird das Bad also privat, nicht einsehbar.
Elektrochrom: Sonnenschutz in der Fassade
Elektrochrome Gläser ändern ihre optischen Eigenschaften durch ein angelegtes elektrisches Feld. Sie werden nicht milchig, sondern dunkler - typischerweise mit einem bläulichen oder grauen Ton. Damit sind sie das Mittel der Wahl für große Fensterflächen, Oberlichter und Fassaden, bei denen es um variablen Sonnen- und Blendschutz geht.
Der Vorteil gegenüber außenliegenden Lamellen: keine bewegten Teile, keine Windlastprobleme, freie Sicht bleibt erhalten. Der Nachteil: die Umschaltung dauert je nach System einige Minuten, und die Scheibe wird nie vollständig dunkel.
SPD: schnell und stufenlos
SPD steht für Suspended Particle Device. Mikroskopische Partikel richten sich im elektrischen Feld aus und lassen mehr oder weniger Licht durch. Der praktische Unterschied zu elektrochromem Glas ist die Geschwindigkeit: SPD reagiert in Sekunden und lässt sich stufenlos dimmen.
Im Hotelbau ist SPD eine Nische, überall dort, wo schnelle Lichtsteuerung gefragt ist - etwa in Konferenzräumen oder Dachverglasungen, die auf wechselnde Bewölkung reagieren sollen.
Kurz gegenübergestellt
| PDLC | Elektrochrom | SPD | |
|---|---|---|---|
| Effekt | klar oder milchig | hell bis abgedunkelt | stufenlos dimmbar |
| Aufgabe | Sichtschutz | Sonnen- und Blendschutz | schnelle Lichtsteuerung |
| Schaltzeit | sofort | Minuten | Sekunden |
| Stromlos | milchig | hält Zustand | hell |
| Typischer Ort | Bad, Trennwand | Fassade, Oberlicht | Konferenz, Dach |
Was das für die Buchung heißt
Wer Privatsphäre im Bad sucht, fragt nach PDLC oder schlicht nach einer blickdichten Lösung. Wer ein Zimmer nach Süden oder Westen bucht und Angst vor der Nachmittagssonne hat, fragt nach außenliegendem Sonnenschutz oder elektrochromem Glas - PDLC hilft dort nicht.
Und ein praktischer Punkt, der oft untergeht: schaltbares Glas braucht einen Schalter, den man findet. In mehreren Häusern sitzt er nicht im Bad, sondern am Bett.
Weiter zur Architektur der Glashotels oder zu den Grundlagen der Glasfassade.
Häufige Fragen
Bleibt die Scheibe blickdicht, wenn der Strom ausfällt?
Bei PDLC nicht. Die Folie ist im stromlosen Zustand milchig und wird erst unter Spannung transparent - fällt der Strom aus, wird das Bad also blickdicht, nicht durchsichtig. Das ist der sichere Ausfallzustand. Elektrochrome Gläser halten ihren Zustand dagegen weitgehend ohne dauerhafte Spannung.
Warum ist die Scheibe im Bad nie ganz klar?
PDLC-Folien haben auch im geschalteten Zustand einen leichten Schleier. Das ist bauartbedingt und kein Defekt. Wer glasklare Sicht erwartet, wird enttäuscht sein; als Sichtschutz auf Knopfdruck funktioniert es sehr gut.
Verbraucht schaltbares Glas viel Strom?
PDLC braucht im transparenten Zustand dauerhaft Leistung. Elektrochrome Verglasungen brauchen vor allem beim Umschalten Energie und halten den Zustand danach weitgehend. Im Zimmermaßstab ist beides unerheblich, über eine ganze Fassade macht der Unterschied etwas aus.
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